Internationale Kammermusiktage 2017

zur Erinnerung an Eduard Brunner (1939-2017)

18. bis 20. August 2017

mit

Tanja Becker-Bender (Violine)
Manuel Fischer-Dieskau (Violoncello)
Tatevik Mokatsian (Klavier)

Krzysztof Grzybowski (Klarinette)
Maryana Osipova
(Violine)
Velislava Taneva (Violine)
Dmitry Khakhalin (Viola)
Ainis Kasperavicžius (Viola)
Dmitry Ablogin (Klavier)
Hristina Taneva (Klavier)

Konzerte

Fr 18. August
20.30 Uhr
konzertprogramm
Messiaen Schubert Messiaen
Böhlener Kirche
So 20. August
17 Uhr
konzertprogramm
Messiaen Mozart Schnittke Berg Schumann
Böhlener Kirche


Eduard Brunner, geboren in Basel, setzte als Klarinettist Maßstäbe für eine ganze Generation. Bereits mit achtzehn Jahren machte er das Solisten- und Orchesterdiplom, anschließend studierte er in Paris bei Louis Cahuzac, dem „Casals der Klarinette“. Nach einigen Jahren als Soloklarinettist bei den Bremer Philharmonikern wurde er 1963 von Rafael Kubelik an das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks geholt, dem er drei Jahrzehnte lang angehörte. Bei rund 250 CD-Aufnahmen hat er mitgewirkt, dabei galt seine besondere Leidenschaft der Kammermusik und der zeitgenössischen Moderne. Er pflegte eine teils langjährige  Zusammenarbeit mit nahezu allen weltbekannten Musikerkollegen und Komponisten in der 2. Hälfte des 20.  Jahrhunderts. Sei den neunziger Jahren gab er sein Wissen als Professor für Klarinette und Kammermusik an der Musikhochschule Saarbrücken sowie weltweit auf ungezählten Meisterkursen an die nächsten Generationen weiter. Krzysztof Grzybowski, einer seiner letzten Meisterschüler, schrieb mir am 28. April: „Lieber Christoph, ich habe eine sehr traurige Nachricht. Professor Eduard Brunner ist gestern gestorben.“ Er hatte es vom Pförtner der Musikhochschule in Karlsruhe erfahren, wo Brunner ihn und andere Studierende bis zuletzt unterrichtet hat.

„Brunner war das, was man einen Vollblutmusiker nennt: Mozarts Klarinettenkonzert spielte er mit derselben Hingabe wie die Werke seiner Zeitgenossen, als langjähriger Soloklarinettist im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zeigte er dasselbe überragende Können wie als Solist und Kammermusiker. Und obendrein war er ein brillanter Unterhalter – seine Musikeranekdoten, alle aus dem persönlich Erleben und mit Lust am Fabulieren erzählt, sind legendär.“ (Max Nyffeler im Bayerischen Rundfunk am 1.5.2017). Was ich vermisst habe in den zahlreichen Nachrufen: Er war zudem ein begnadeter Lehrer, ein rückhaltlos gebender  ebenso wie ein kompromisslos fordernder, der jedes Talent mit einer unnachahmlichen Mischung aus Strenge und Humor an seine Grenzen führte, ohne jemals das menschliche Maß aus den Augen zu verlieren. Das haben wir in Böhlen seit dem Jahr 2000 immer wieder hautnah erlebt: Jeder Tag, jede Stunde seines Unterrichts war ein außergewöhnliches Ereignis.

Als im Jahr 2013 nach 20-jährigem Erfolg unseres Internationalen Kammermusikkurses die Finanzierung des Projektes zunehmend gefährdet war, meinte er, dass es keinesfalls an seinem Honorar scheitern soll. Ein Jahr später teilte er mir mit, dass er aus Altersgründen künftig keine Meisterkurse mehr geben wird, mit einer Ausnahme: Böhlen. Solange ich das wolle und er gesundheitlich könne, komme er gern an diesen Ort, der ihm am Herzen lag. Er schätzte die besondere Atmosphäre in der alten Fabrik, die Freundlichkeit der Menschen im Dorf, wo er ganz anspruchslos wohnte und mit seiner lieben Frau Héléne ernsthaft überlegte, ein altes Häuschen zu kaufen! Die Begegnungen mit ihm waren immer auf Augenhöhe, voller gegenseitigem Respekt für das, was wir leisteten. Seine Verbundenheit mit unserem Ort und Unterstützung unseres Projektes war einmalig. Wir vermissen ihn sehr, unseren Edi, und sind voller Dankbarkeit, dass wir eine so lange und wunderbare Zeit mit ihm haben durften. Und ich danke von Herzen all den Mitwirkenden, die gekommen sind, mit diesen beiden Konzerten an ihn zu erinnern.

Christoph Goelitz



Presse (Thüringische Allgemeine, 17.08.2017)
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