„Man nannte uns Hitlermädchen“ – Kinderlandverschickung 1944/45. Lesung.

Als 11-jähriges Mädchen wurde Dorothea Bjelfvenstam, im Rahmen der so genannten Kinderlandverschickung kurz vor Ende des 2. Weltkrieges von Königsberg in Ostpreußen nach Oelsnitz im Erzgebirge gebracht. Erst kürzlich hat sie ihre Erinnerungen veröffentlicht und wird aus ihrem Buch Man nannte uns Hitlermädchen lesen.

Dorothea Bjelfvenstam meldete sich für den Kurs Alte-Musik an und eher zufällig entdeckte Gaby Bultmann die bewegte Lebensgeschichte dieser Kursteilnehmerin. Die Autorin beschäftigt sich noch heute intensiv mit dem Thema der Kinderlandverschickung. Immer wieder führt sie ihr Weg nach Sachsen, um nach Dokumenten zu suchen, die auf ehemalige Lager und damit verbundene Lebensgeschichten verweisen. Auch in Thüringen gab es Lager, in welche die Kinder geschickt wurden und Dorothea Bjelfvenstam vermutet, dass auch in unserer Region Menschen leben die selbst oder durch ihre Familie einen Bezug zum Thema Kinderlandverschickung haben. Über Informationen freut sich die aufgeschlossene Autorin sehr und bei Interesse übernimmt die Thüringische Sommerakademie gerne eine Kontaktvermittlung.

„Man nannte uns Hitlermädchen“ in der Reihe Zeitzeugen im amicus-Verlag

Kinder wurden aus bombengefährdeten Großstädten (Hamburg, Berlin, Kiel, Bremen, Düsseldorf usw.) mit der so genannten KLV (Kinderlandverschickung) in von der NS-Führung organisierte Lager ins „Hinterland“ geschickt, vornehmlich nach Sachsen und Thüringen. Diese Kinder konnten spätestens nach Kriegsende zurück in die Heimat. In dem Band erzählt die Autorin Dorothea Bjelfvenstam, Jahrgang 1933, in einer Mischung aus Dokumentation, Autobiographie und Fiktion über Lebenswege deutscher Kinder, die nach dem Bombenangriff auf Königsberg 1944 in Lager nach Sachsen kamen. Die Königsberger Kinder konnten nicht zurück „nach Hause“. Nach Auflösung der Lager April/Mai 1945 wurden sie bei „Gasteltern“ untergebracht oder mussten sich allein durchschlagen.

Die Autorin hatte das Glück, von ihrer aus Königsberg geflohenen Mutter nach Monaten abgeholt zu werden. In Gesprächen mit ihren ehemaligen „Lagerschwestern“ geht sie der Frage nach, wie die Prägung durch die NS-Diktatur den weiteren Lebensweg beeinflusst hat: in der DDR, in Westdeutschland oder im Ausland. Die Autorin wählte nach Jahren in der Stalinzeit in Potsdam den Weg ins Ausland, weil sie weder in Ost- noch in Westdeutschland eine Alternative für sich sah. Sie lebt seitdem in Stockholm, blieb aber mit vielen Reisen und Kontakten ihrer Sprache und Deutschland verbunden. Schlaglichter erhellen subjektive Erlebnisberichte im Rückblick und aus ihrer Zeit in Stockholm. Ihre Geschichte ist auch die Geschichte von anderen. Dieses Buch sollte zum Nachdenken und weiteren Recherchen anregen.

www.amicus-verlag.de

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